Besançon

Die Wetter-Apps betreiben die reinste Panikmache mit ihren Unwettern. Es fuhr eine Sturmböe über den Platz und wer sein Vorzelt nicht gesichert hatte, dem flog es um die Ohren. Die Gartenbesitzer hatten sich sicher mehr Wasser von oben erhofft. Egal, für uns war Weiterfahrt angesagt. Am Ortsrand von Louhans sahen wir dieses schöne Wandfresko.

Doubs

Und sonst ging es über die Landstraße zügig in Richtung Nord-Ost. Eigentlich steht Colmar auf unserem Plan, aber wir sind schon so häufig durch Besançon gefahren, dass wir es uns endlich mal anschauen wollten. Mit dem Campingplatz haben wir so unser Problem, denn auf der Hinfahrt war er entgegen aller Ankündigungen geschlossen, jetzt war er wenigstens offen, nur das warme Wasser funktioniert nicht und am Sonntag ist natürlich kein Handwerker zu bekommen.

Es ist mal wieder knuffig warm geworden und die Gewitterwarnungen folgen uns. Es war gerade 2 Uhr und bis 5 Uhr soll es trocken bleiben, also auf die Räder und die 9 km bis nach Besançon hinein geradelt. Der Campingplatz liegt am Doubs und Besançon liegt am Doubs, nur da zwischen liegt ein Buckel. Den wollten wir umgehen und suchten den Zugang zum Europa-Radwanderweg 8. Als wir da drauf waren lief alles wie am Schnürchen, direkt am Wasser, gut asphaltiert und direkt in die Stadt hinein.

Ober liegt eine mächtige Festung über der Stadt, die die Innenseite einer Fluss-Schleife einnimmt. Auto, Kanal- und Farradverkehr werden durch Tunnel schnell hindurch geleitet. Wir konnten aber feststellen,dass das Coer de la Ville (Herz der Stadt) durchaus mehr zu bieten hat. Neben einige recht alten schmucken Häusern fiel uns das Rathaus auf, das wohl neueren Datums den Festungscharakter wiederspiegelt.

Rathaus

Mit den ersten Tropfen machten wir uns auf den Rückweg, kamen trocken heim und warten immer noch auf den angekündigten Regen.

Tournus

Gestern war es schon sehr warm und früh müde gingen wir bald ins Bett, was den Vorteil hatte heute morgen bald wach zu sein. Noch waren die Temperaturen angenehm und so rollten wir früher wie sonst auf unser neues Ziel zu. Das lag heute im Norden von unserem Campingplatz.

Riverwalk

Der Weg war ähnlich gut ausgebaut wie gestern und meistens hatten wir die Saône auf der einen Seite und Felder auf der anderen, nur dass der Weg meist von Bäumen beschattet war. Dazu kam ein leichter Wind, der durchaus angenehm war.

Im Gegensatz zu Mâcon gefiel uns das Städtchen auf Anhieb, es hat einfach Flair. Viele alte Häuser, nicht unbedingt frisch renoviert, aber mit Details wie Skulpturen und schmiedeeisernen Gittern verziert. Die Sträßchen waren eng und wegen des Marktes kaum zu durchdringen.

Etwas Außerhalb des Zentrums liegt die Wallfahrtskirche, ein klassisch romanischer Bau, der vor allem innen durch seine hellen hohen Säulen besticht.

Das Wetter macht uns zu schaffen und so verabschiedeten wir uns bald von einem netten Ort und traten die Rückfahrt an. Ach ja, zum letzten Mal wird Wäsche gewaschen. Einen Trockner brauchen wir nicht, es sind über 30°C.

Mâcon

Gestern sind wir an Lyon vorbei an die Saône gefahren. Hier etwa 20 km nördlich von Mâcon stehen wir auf einem Campingplatz, der sich anfühlt wie „Klein-Niederland“. Das Personal spricht nur gebrochen Französisch und 90% der Besitzer kommen aus unserem Nachbarland, dann gibt es hier noch einige Deutsche, so dass man sich als Franzose wie im Ausland vorkommt.

2,8 m niedrige Brücke über die Saône

Die Zufahrt hat auch noch eine Besonderheit: Im letzten Ort vorher sahen wir eine Höhenbegrenzung von 2,80 m, was uns nicht ausreicht.

Vorsichtig fuhren wir weiter und entdeckten, dass wir kurz vor der für uns gesperrten Brücke links über eine schmale Kanalbrücke in den Campingplatz abbiegen müssen. Dass man die Höhenbegrenzung ernst nehmen sollte, erfuhr vorhin ein Lieferwagenfahrer, der mit einem heftigen Knall die Warnbarke oben zur Seite schleuderte.

Die Fahrradtour heute auf der „Voie Bleu“ nach Mâcon führte uns durch eine schöne Landschaft entlang der Saône. Mâcon selber hat nicht viel zu bieten. Wir schoben unsere Fahrräder durch die Fußgängerzone und waren nach einem Kaffee auf dem Rückweg. Kurz vor dem Campingplatz machten wir Halt bei einer Bäckerei/Restaurant.

Immer mehr Bäcker bieten neben den normalen Produkten auch Essen an. Ein Sandwich ist ja nichts außergewöhnliches, aber hier war es ein 3-Gänge-Menue mit einem Fleischgericht als Plat-du-Jour. (Tagesgericht).

Das Palais Idéal des Briefträgers Cheval

Im Jahre 1836 ist Ferdinand Cheval 43 Jahre alt. Er wird 33 Jahre, 10 000 Tage und 93 000 Stunden an seinem Palast bauen.

Als Briefträger ist er täglich bis zu 40 km gelaufen und hat auf seinem Rückweg in seiner leeren Tasche Steine, die er am Wegesrand fand gesammelt. Aussehen, Materialien und Konstruktionstechnik stammen aus seiner Vorstellungskraft.

Auf Höhe der ersten Etage erstreckt sich eine H-förmige Galerie von der mehr gut die vielen kleinen Figuren betrachten kann. Über 3 Treppen kann man sie auch heute noch betreten.

An der Ostseite fallen die 3 Giganten auf (linkes Bild), sie sollen Cesar, Vercingétorix und Archimedes darstellen.

Auf der Westseite hat Cheval sich an einer Darstellung unterschiedlicher Kulturen und Stile versucht in dem er Häuser, Schlösser und Tempel darstellte. Von hier kann man ein „Palais Imaginaire“ betreten, was sich unterhalb der Galerie befindet.

Das Ganze liegt heute in einem gepflegten Park. Unser Besuch am späten Nachmittag war sehr angenehm. Die Parkplätze waren leer. Die Läden vor dem Eingang waren geschlossen, statt langer Warteschlangen kamen wir direkt an unsere Eintrittskarten und mit uns befanden sich nur wenige Besucher auf dem Gelände. Aber, das ist wahrscheinlich die Ausnahme.

Selbst dann verliert das Palais nicht seine Wirkung. Wer arbeitet schon 33 Jahre lang an einem Werk ohne einen Blick auf Gewinn oder Ruhm zu verschwenden. Ferdinand Cheval machte ganz einfach seinen Traum wahr. Schön, dass ihn keine Verordnungen daran hindern konnten.

Über den Col la Sausse nach Hauterives

Normalerweise habe ich an den Fahrtagen keine Bilder, aber heute war die Landschaft so schön, dass ich immer mal wieder eine Parkbucht angefahren habe, um auch als Fahrer etwas mehr von der Landschaft ab zu bekommen. Gudrun hat natürlich fleißig gefilmt, nur deren Aufnahmen kann ich ohne großen Aufwand hier nicht integrieren.

Nun zurück zu unserer Tour. Nyons liegt auf 268 m üNN. Von dort ging es über ein Seitental der Eygues nach Norden, dem Défilé de Trente Pas folgend auf den Col la Sausse (791 m). Das ist nicht besonders hoch, aber auf einem Stück war es sehr eng und ein LKW-Fahrer setzte rückwärts den Berg hinauf zurück in eine Ausweichstelle.

Durch das Tunnel passten auch nur ein Fahrzeug auf einmal. Immerhin wurde vor einer Engstelle gewarnt. Weiter oben war mehr Platz und die Straße schlängelte sich sanft hinauf. Vor allem nach Norden hat man hier einen schönen Blick und hier blühte noch so manches, was im Tal schon verblüht ist oder dem Mähwerk zum Opfer gefallen ist.

Erst mal den Talgrund erreicht, wurden die Straßen breiter und wir kamen zügig unserem Tagesziel in Hauterives näher. Man hatte uns schon Angst gemacht, dass es hier touristisch überlaufen sein würde, aber davon ist auf dem Campingplatz nichts zu spüren. Über den Ort gibt es dann morgen mehr.

Entlang der Eygues

Vom Campingplatz kann man erkennen, dass am Hang des gegenüber liegenden Ufers ein Weg verläuft. Ein bisschen Suchen und wir fanden den Fahrrad-Weg mit der Bezeichnung Au fil d`Eygues, was so viel bedeutet wie: Entlang der Eygues. Bei herrlichem Wetter suchten wir den Einstieg zu diesem Weg, der zu erst noch asphaltiert durch die Außenbezirke von Nyons verlief, später einer Naturstraße mit Schlaglöchern glich.

Nicht desto trotz war die Landschaft wunderschön, der Straßenverkehr weit weg, es blühte, im Moment überall der ausdauernde Lein und im Hintergrund die Ausläufer der Alpen. Besonderer Höhepunkt waren 2 Bach-Durchfahrten. Bei der ersten ging es noch zügig, bei der zweiten zogen wir die Schuhe aus und krempelten die Hosen bis über die Knie.

Les Pilles

Kurz darauf erreichten wir Les Pilles. Hier gibt es eine Brücke über die Eygues, da wir aber nicht auf die Hauptstraße wollten, blieben wir auf der linken Seite und erfreuten uns an der nun asphaltierten Straße.

Unterwegs blieb ich immer mal wieder stehen, da ich „Blümchen“ fotografieren wollte. Hier mal wieder zwei Orchideen am Wegesrand. Wir fuhren noch ein paar Kilometer über Curnier hinaus und hatten einige heftige Steigungen zu überwinden. Die Landschaft war beeindruckend, aber uns wurde der Weg zu anstrengend, wir mussten ja auch wieder zurück.

Curnier

In Curnier gibt es eine kleine Bar mit Restaurant, was für einen 200 Einwohner zählenden Ort nicht selbstverständlich ist. Zur Mittagszeit waren dann auch etliche Tische besetzt. Gut gestärkt fuhren wir danach zurück und kauften in der Cooperative von dem berühmten Olivenöl der Gegend ein.

Nyons

Es ist zwar nur gut 1 km bis zum Zentrum, aber wer weiß, was wir alles mitbringen, so haben wir die Fahrräder genommen und sie an einem Geländer der romanischen Brücke aus dem Jahre 1409 angekettet. Die Brücke ist das Wahrzeichen des Ortes. Sie ist eine ein bogige Brücke mit 43 m Spannweite und 18 m Höhe.

Die sehenswerte Altstadt stammt aus dem 13.-14. Jahrhundert und war heute gedrängt voll von Marktständen und natürlich Besuchern. Eine Besonderheit der Gegend sind die schwarzen Oliven. Die gibt es eingelegt oder als sehr geschätztes Olivenöl. Natürlich wurden Seifen, Kräuter und Nougat angeboten.

Im Altstadtbereich liegt die Kirche St. Vincent mit ihrem Glockenkäfig. Oberhalb bewacht ein ehemaliger Wachturm den Ort. Im 19. Jahrhundert wurde er in eine Kapelle umgewandelt und erhielt einen pyramidenförmigen Aufsatz mit einer 3,5 m hohen Marienstatue.

Trödelmarkt und Weiterreise

Nach dem wir unser Wohnmobil zur Weiterfahrt fertig gemacht hatten, liefen wir noch über den Trödelmarkt, der sich vor dem Eingang des Campingplatzes ausgebreitet hatte. Der Platz unter den Plantagen und vor unserem Lieblingsrestaurant war gut belegt mit allem was die Franzosen unter Brocante verstehen, Flohmarktartikel vom edlen Porzellan, Bilder, Kleinmöbel, Geschirr, Spielzeug, Waffen etc.

Da genügend Platz vorhanden war, herrschte kein Gedrängel. Auch an Publikum war alles erdenkliche vertreten und so manches Mal hatte ich Lust die Kamera zu bemühen, ich hielt mich dann doch an die Sachgegenstände. Gekauft wurde nur das, was wir benötigen, also nichts.

Eng ging es dann her, als wir uns mit dem Wohnmobil durch die parkenden Autos aus dem Ort schlängeln mussten, da waren es oft nur wenige Zentimeter Platz. Aber dann ging es zügig über Nîmes, Avignon und Carpentras in die nördliche Provence.

Hier in Nyons an der Eygues (gesprochen: Äge) befinden wir uns nördlich des Mt. Ventou am Rande der Seealpen. Der Campingplatz ist gut besucht und bietet originelle Hütten/Zelte für Personen, die kein Bett mitbringen, an.

Fahrradrunde nördlich von Sommières

Heute wollten wir den uns noch fehlenden Teil der Voie Verte befahren. Wieder ging es zuerst zum ehemaligen Bahnhof, um dort nach Norden auf den Voie Verte ab zu biegen. Die Eisenbahnlinie verlief früher hinter dem Schloss entlang in einem langen Tunnel. Gut asphaltiert und mit einer Beleuchtung versehen, war er kein Problem.

Leicht ansteigend schlängelte sich die Trasse zuerst durch einen Korkeichenwald, später zwischen Felder bis kurz vor Lecques. Hier ist vorerst Schluss. Direkt zurück zu fahren erschien uns bei dem schönen Wetter nicht sinnvoll, so entschieden wir uns auf einem Rundkurs, der nach Sommières zurück kehrt ab zu biegen.

Vor dem Ort mussten wir die Vidourle überqueren. Vor möglicher Überflutung der Brücke wurde gewarnt. Zu unserem Glück floss die Vidourle gemäßigt unter uns durch.

Weiter ging es nach Salinelles. Hier hängt die Glocke auf dem Rathausturm und Aspères, wo wir noch diese besondere Rose sahen, eine Rambler-Rose mit Namen Veilchenblau.

Die letzte Station war Campagne, die eine Kapelle aus dem 11. Jahrhundert aufweist. An einem Gartenzaun fanden wir eine große Fläche bedeckt mit der Teppichverbene (Phyla nodiflora).

Sommieres – Stadtrundgang

Mit einem speziellen Stadtführer machten wir uns auf den Weg uns noch unbekannte Ecken des Städtchens zu erkunden. Zu erst liefen wir hinauf zum Schloss, dessen mächtigen Turm wir immer wieder heraus schauen sahen. Wir kamen bis zur Burgmauer, der Rest war gesperrt. Immerhin hatten wir einen Blick hinunter auf den Ort.

Nun ging es darum die Reste der ehemaligen 200 m langen Brücke zu finden. Die hat man später einfach mit Wohnhäusern überbaut. Von einem tiefer liegenden Platz entdeckten wir die Bögen und dahinter offene Garagenplätze oder Keller.

Oben drüber verläuft eine der Hauptstraßen in Verlängerung des Torturms. Unterhalb des Schlosses liegt die Kirche St. Pons, die, so wie wir sie heute sehen, aus den Jahren um 1850 stammt und im neugotischen Stil erbaut wurde. Die Wandmalereien sind noch gut erhalten. Auffallend ist die auf 3 Seiten verlaufende Balustrade im Obergeschoss.

Am Boule-Platz haben wir noch mal gegessen. Heute war es der Artischockensalat mit Tintenfischringen und Sardellen, der fantastisch geschmeckt hat.