Rangieren: Was für Könner!

Ausgangssituation: Ein Güterzug fährt in den Bahnhof ein. Die Streckenlok kuppelt ab und übergibt dem Rangierer die Papiere. Ein Packen mit Wagenpapieren, wobei zu jedem Wagen steht woher er kommt und wohin er soll, nicht zu vergessen, was er geladen hat.

Diese Papiere ordnet der Rangierer so, dass das folgende zustellen der Wagen mit möglichst wenig Rangierbewegungen über die Bühne geht. Vor allem sollte die Rangierlok nicht mehrmals die Seite vom Zug wechseln. Dafür habe ich, muss ich leider zugeben wenig Platz zur Verfügung gestellt. Das Ablegen der Papiere auf den Schienen sollte dabei möglichst nicht erfolgen. Ein kleiner Tisch, eine Ablage wäre Spitze.

Dann geht es los mit der Planung. Die momentane Reihenfolge der Wagen kenne ich, wo sie hin müssen auch. Wenn die Lok hinten steht, kann ich alle Ladestellen die vor dem Zug liegen erreichen, alles was hinter ihr liegt, kann nur durch Umsetzen der Lok erreicht werden. Wagen die an den Ladestellen stehen und fertig zur Weiterfahrt sind werden zuerst ab gezogen, dann die neuen hin gestellt.

Wo stelle ich nun bloß die abgezogenen Wagen hin, dass sie mich nicht stören, bzw. den laufenden Zugverkehr. Bei kleinen Anlagen schiebt man die abgezogenen Wagen meistens aufs Hauptgleis, da nicht genügend Rangiergleise vorhanden sind. Für mich sage ich, dass 50% der Gleise immer frei sein sollten, sonst klemmt es später beim Rangieren heftig.

Die Tankwagen in Fahrtrichtung lassen sich einfach abstellen, müssen die aber an die Stelle des braunen Güterwagens, dann muss die Lok erst mal umsetzen, um sie von der anderen Seite zu nehmen.

Die Wagenpapiere wandern während des Zustellens kontinuierlich in die Ablagen, wendet die Wagenlaufkarte so, dass sich der nächste Auftrag oben, gut lesbar ist und die Papiere der abgezogenen Wagen nimmt der Rangierer an sich. Die abgezogenen Wagen kommen am Schluss in die möglichen Ausfahrtgleise, wo sie von der nächsten vorbei kommenden Streckenlok mitgenommen werden.

Bei einem Kopfbahnhof reicht uns ein Einfahr- und ein Ausfahrgleis für die Güterzüge. Bei einem Durchfahrbahnhof sind es jeweils 2 davon und möglichst ein weiteres Umfahrgleis, das auch immer frei sein sollte. Kommt Personenverkehr dazu, dann brauchen Sie noch mal 1-2 Gleise, je nach Verkehrsaufkommen und die beliebte abzweigende Nebenbahn auch noch mal eins. Muss das sein? Wenn Sie richtig Fahrspaß haben wollen, dann unbedingt JA. Lieber den Traum abspecken und mit einer eingleisigen Nebenbahn ohne ICE zufrieden sein, dafür aber täglich Spaß haben.

Dazu habe ich einen Videofilm gedreht, der das etwas veranschaulicht: https://youtu.be/cZ8uF_2oGHs

Eine kleine Rangieranlage

Im Internet fand ich ein Video mit dem titel: Switching-Brett. Rangierbrett würde in Europa kaum einer sagen, sagt aber klar, um was es geht. Oder genauer: Kann ich eine interessante Modellbahnanlage auf kleinem Raum bauen? Da ich in ein paar Jahren dieses problem habe, habe ich mich mal damit auseinander gesetzt.

Das ist der Plan vom Titelbild: Greenville

Ein paar Daten stellen Vorgaben dar, die nicht zu umgehen sind und diese beziehen sich auf die Spurweite HO. Eine normale Weiche ist 20 cm lang. Bei meinem Roco-Gleissystem komme ich auf einen Gleismittenabstand von 6 cm in einer Gleisharfe und für eine Lok oder Güterwagen sollte man auch 20 cm veranschlagen. Daraus ergibt sich, dass man wie bei mir auf 50 cm Tiefe 5 Parallel-Gleise sicher unter bringt. Bei 30 cm Tiefe sind es immer hin noch 3 + Platz für Gebäude, Straße etc.

Das dürfte für die Meisten von uns zu ermöglichen sein, 30 cm, das ist die Regaltiefe für einen DIN A4-Ordner. Die Anlage könnte so in einem Regal verschwinden und im Raum nicht weiter stören. Bleibt noch die Länge zu berücksichtigen. Dass die Anlagengröße keinen geschlossenen Kreis her gibt, dürfte mittlerweile klar sein. Es gibt also einen Pendelverkehr und die Lok muss auf die Wagen von beiden Seiten zugreifen, die müssen also umfahren werden. Außerdem sollten die Firmen mal von rechts, mal von links angefahren werden, damit es beim Rangieren nicht langweilig wird.

Nehmen als Ausgangspunkt ein kleines Industriegebiet mit eigener Rangierlok. Die maximale Anzahl von täglich zu bearbeitenden wagen sollen 4 sein, macht 80 cm Gleislänge, vorne und hinten eine Weiche = 40 cm und da die Lok zum Weichen stellen noch mal darüber hinaus muss, kommen noch mal 40 cm dazu, macht dem nach 160 cm. Nehme ich mit der Lok noch 2 Wagen mit, kommen wir auf 200 cm. Jede weitere Weiche kürzt den zur Verfügung stehenden Platz um weitere 20 cm.

Wie funktioniert so ein Layout? Die Wagen kommen aus dem Regal oder Schublade und werden per Hand auf das Übergabegleis gesetzt. Das sollte sich also vorne, gut zugänglich befinden. Von dort werden die Wagen ab gezogen und den Firmen zu gestellt. Fertig behandelte Wagen in gleicher Weise mit genommen und im Übergabegleis abgestellt. Das wäre der Job eines Tages.

Bei den Firmen sollte man sich entscheiden entsprechend der Vielzahl der Produkte die angeliefert, bzw. abgeholt werden können. Interessant ist landwirtschaftliche Genossenschaft, ein Baustoffgroßhändler oder eine Spedition mit Gleisanschluss, so was soll es geben oder gegeben haben. Dem entsprechend brauchen sie Wagen und, was den Geldbeutel ziemlich schont, nur eine einzige Lok. Signale gibt es Industriegebiet nicht und die Weichen werden per Hand gestellt.

5 Gleise in HO auf 50 cm Tiefe

Und als Tipp: Wenn die Fabrikanlagen nur lose auf die Anlage, eh meistens im Hintergrund aufgestellt werden, dann kann man sie fix tauschen und schon müssen andere Wagen eingesetzt werden. – Die von mir mit einem Programm gezeichneten Gleispläne wirken sehr gestaucht, einen Weichen-Abzweigwinkel von 45° gibt es nicht wirklich. Also müssen Sie sich alles gestreckt vorstellen. Am besten Sie schauen sich mal das Eine oder andere Video über so ein Rangierlayout mal an, um sich vorstellen zu können, ob das was für Sie sein könnte.

Algodones – Paperwork

Setzen wir unsere Betrachtung der kleinen Destillerie fort. Wir haben etliches unternommen, dass die Waren hin und wieder weg transportiert werden müssen. Nur wie funktioniert das?

Wagenkarten mit Tasche und Wagenlaufkarte

Für jeden Wagen existiert eine Wagenkarte, die einen, meist 4 Aufträge enthält. So angelegt, dass der Wagen nach 4 Fahrten wieder an der Startposition ankommt. Bei dem Tankwagen steht drauf, dass er bei Cornish Billinger (s. Anlagenplan in einem früheren Blogbeitrag) Maismaische abholen soll, den er nach Winslow zur Firma Algodones bringen soll.

Planungsskizze für den Wagenverkehr von Algodomes

Wenn der Tankwagen leer ist, nimmt ihn der nächste Zug mit nach Mountainair. Das ist eigentlich die falsche Richtung, aber so kann der Wagon ohne große Rangiermanöver abgezogen werden. In Mountainair wird er dann an den nächsten Zug nach Portales angehangen, wo er dem RIP (repair in place) Gleis zugestellt wird. Bei mir wird der Wagon hier gereinigt, bei Lebensmitteln muss das sein. Von hier wird er bei Bedarf wieder Cornish Billinger zugestellt. Und der Kreislauf beginnt von vorne.

Natürlich kann ich die Wagenlaufkarte auch in die Tasche eines anderen passenden Wagens stecken, wenn mir ein anderer besser gefällt. Das war jetzt der Weg eines Tankwagens. Das selbe habe ich für einen Kohlenwagen entworfen und für einen Boxcar (geschlossenen Güterwagen). Bei der Disposition muss ich beachten, dass nicht mehr als zwei der Wagen gleichzeitig Algodones zu gestellt werden, denn es gibt nur für 2 Wagen einen sinnvollen Abstellplatz.

Eine Besonderheit hat die Wagenlaufkarte. Sie ist in 4 Teile gegliedert und nummeriert. Ein Teil ist sichtbar und schaut aus der Tasche der Wagenkarte heraus. Nach jeder Fahrt, wird nach dem Zustellen die Karte so gedreht bzw. gewendet, dass die folgende Nummer zu sehen ist. Beim Blick des Rangierers auf die Karte sieht er sofort, ob der Wagen in seinen Zug passt oder wohin der Wagen als nächstes soll.

Aufwendig? Wenn erst mal alles fertig ist, läuft die Zugbildung wie am Schnürchen. Etwas Disziplin ist jedoch von Nöten: Begleiten die Karten den Zug nicht mit den anderen Papieren, dann geht irgend wann mal das große Suchen los, bis jede Wagenkarte wieder seinen Wagen gefunden hat. Dass das nicht passiert, bekommt der Zugführer eine Loktasche in die zu Beginn sämtliche Wagenkarten gesteckt werden. Im ersten Bahnhof werden die entnommen, deren Wagen dort bleiben, dazu kommen die neu angehängten Wagen. Im Caboose kann er dann alles durchschauen und sich seine nächsten Rangiermanöver überlegen.

Sie sehen schon, es gibt zu tun. Und wenn man den Zug fahren und gleichzeitig die Rangiermanöver durchführen soll ohne den Überblick zu verlieren, das ist Arbeit. Am besten man findet jemanden, der eine Aufgabe übernimmt: die des Zug- bzw. des Lokführers. Ja, und das natürlich für jeden Zug, denn bei meiner digitalisierten Anlage, kann man sich gut vorstellen, dass 3 Züge unabhängig von einander arbeiten. In den USA ist das üblich, dass man sich zu einer Spielsession rundum trifft.

Ich würde mich freuen, wenn Sie meinen Blog abonnieren und/oder den Beitrag kommentieren.